Copyright Fotos: Jeanne Degraa

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Musical: Fack ju Göthe mit Augsburger Elyas M'Barek

Fack ju Göthe Se Mjusicäl - den berühmten Film gibt es jetzt auch als musikalische Adaption zu bewundern. Gleich nebenan in München. Die Hauptrolle übernimmt der gebürtige Augsburger Schauspieler Max Hemmersdorfer. Dem A-You erzählt er von den Proben und wie es ist, mit Elyas M'Barek verglichen zu werden.

Im Werk 7 im Münchner Werksgelände nahe dem Ostbahnhof sitzen die Zuschauer auf blauen – zugegeben etwas unbequemen - Plastiksitzschalen in einer umgebauten Halle, in der früher mal bis zur Decke Kartoffeln gelagert wurden. Stadiongleich blickt man auf die Bühne hinab, die wie eine Graffiti-beschmierte Turnhalle eingerichtet ist, mit allem was dazu gehört: Basketballkorb, eingezeichneten Abwurflinien und  Sportgeräten. Sofort fühlt man sich in die eigene Schulzeit zurück versetzt und hofft, dass man nichts am Reck vorturnen muss. Doch heute müssen die Schauspieler ran - die stürmen sogleich auf die Bühne und es geht in medias res los mit "Fack ju Göthe se Mjusicäl" und der berühmt-berüchtigten Klasse 10b der Goethe Gesamtschule. Über zwei Stunden dauert die Bühnenfassung des erfolgreichen Films mit Elyas M’Barek und Karoline Herfurth, die sich mittels Gesang und beeindruckenden Choreographien, dann doch von ihrer Vorlage lösen kann und das Ganze zu einem kurzweiligen Abend und einem tollen Showerlebnis macht. Das multifunktionale Bühnenbild verwandelt sich durch wenige Handgriffe von einer Turnhalle in ein Klassenzimmer, einen Nachtclub oder das Büro der Direktorin. Als Requisiten werden lediglich Sportgeräte genutzt, die sich glaubhaft in diverse Möbel wie ein Bett aus Sportmatten oder Zuggleise aus umgedrehten Sportbänken, verwandeln lassen. Innovative Ideen, die einem im Gedächtnis bleiben. Die Turnhallenbühne schafft ein unmittelbares 3D-Erlebnis, indem sie den Schauspielern ermöglicht auch zwischen den Zuschauern agieren zu können, und so der ganze Raum mit einbezogen wird. Als zentrale Position ist die Turnhalle der Ausgangspunkt der Geschichte um den Kleinkriminellen Zeki Müller. Während er versucht den dort versteckten Schatz wieder auszugraben, wird er versehentlich von der klebstoffschnüffelnden Schulrektorin als Aushilfslehrer eingestellt. Dargestellt wird der Musical-Müller durch den 32-jährigen Schauspieler Max Hemmersdorfer, der sich nun bis Ende April als singender Zeki beweisen muss. Den Vergleich mit dem berühmten Münchner Mimen Elyas M’Barek immer im Nacken. Der gebürtige Augsburger ist momentan nach verschiedenen Station in Essen, Konstanz und Berlin wieder nahe der Fuggerstadt und hat sich mit dem A-YOU! zu einem persönlichen Gespräch getroffen.

A-YOU!: Wie kamst du an die Rolle des Zeki Müller, der im Film von Elyas M’Barek verkörpert wird, und wie sahen die Vorbereitungen darauf aus?

Max: Ich habe schon mal für die Firma Stage Entertainment gearbeitet und wurde für einen internen Testlauf für das Fack ju Göthe Musical engagiert. Den Produzenten hat es gut gefallen, daher wird es jetzt auf jeden Fall bis September diesen Jahres gespielt. Ich bin ja eigentlich Schauspieler und kein ausgebildeter Musicaldarsteller, daher musste ich mich bei den Proben schon etwas umgewöhnen. Choreographisch und musikalisch ist alles genau getaktet, da muss man sich dann schon dran halten, sonst fällt man aus der Reihe. Bei den Proben waren oft 20 bis 30 Leute anwesend und es wurde gleichzeitig auch noch lautstark am Bühnenbild gebaut. Das war nicht immer einfach, da musste man sich voll konzentrieren, um bei der Sache zu bleiben. Außerdem wurde mir ein Personal Trainer an die Seite gestellt, schließlich musste ich als Zeki Müller durchtrainiert sein. Das hieß für mich kein Alkohol, keine Kohlenhydrate und viel Sport. Das mit den Kohlenhydraten habe ich beibehalten, und da ich fast jede Woche acht mal singend und tanzend auf der Bühne stehe, habe ich damit auch mein tägliches Sportprogramm absolviert.

A-You: Hast du Angst mit dem berühmten Filmpendant verglichen zu werden?

Max: Das passiert ja automatisch und ich finde es wirklich nicht schlimm. Elyas M’Barek hat die Rolle nun mal geprägt und nicht zuletzt deswegen hatte die Filmreihe einen so großen Erfolg. Mit solch einem guten Schauspieler verglichen zu werden sehe ich daher mehr als Chance und nicht als Nachteil. Außerdem habe ich ja auch die Möglichkeit durch die Musicalvariante meine eigene Interpretation dazuzugeben.

A-You: Wolltest du schon immer Schauspieler werden?

Max: Ins Theater bin ich mehr oder weniger reingestolpert. Mit 16 Jahren nahm mich mein bester Freund mit zum JTT, der Jugendgruppe vom Theater Augsburg, damals unter der Leitung von Holger Seitz, der auch als Regisseur am Augsburger Theater viele Jahre tätig war. Diese junge engagierte und exzentrische Gruppe hat mich sofort fasziniert und mir war ziemlich schnell klar, dass ich das unbedingt mein Leben lang machen will. Spielen und an meine Grenzen kommen. Einen wirklichen Plan B gab es nie. Einige Jahre später hat es dann auch geklappt und ich ging zur Folkwang Schauspielschule nach Essen.

A-You: Was vermisst du an deiner Heimatstadt Augsburg am meisten?

Max: Auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag, aber den Dialekt - Das Augsburgerische ist einfach unverwechselbar! Wenn ich es höre, fühle ich mich sofort heimisch und gut aufgehoben. Aber am meisten vermisse ich natürlich meine Freunde und Familie. In meinem Beruf bin ich terminlich leider sehr eingespannt und habe nicht soviel Freizeit, um nach Hause zu fahren. Aber jetzt bin ich ja fast ums Eck, da kann ich meine Liebsten dann öfter sehen. Wenn die Temperaturen steigen kann ich auch wieder durch die Gassen in der Altstadt spazieren und mich in den Hofgarten setzen, zwei meiner Lieblingsplätze in Augsburg.

A-You: Wie geht es dann karrieretechnisch weiter bei dir?

Max: Also erstmal stehe ich ja noch eine ganze Weile als Zeki Müller auf der Bühne und dann hoffe ich einfach auf weitere interessante Projekte. Mittlerweile kann ich mir auch vorstellen nochmal ein Musical zu machen. Gerne auch wieder in Bayern, dann kann ich näher bei meiner alten Heimat sein. Ich bin gespannt, was alles auf mich zukommt.

Wer den Augsburger Schauspieler in der Rolle des schlechtgelaunten und schnodderigen Aushilfslehrers Zeki Müller noch sehen möchte, hat bis Ende April Zeit sich eine Karte zu besorgen. Über den Link www.eventim.de kann man sich den passenden Termin aussuchen. Einen kleinen Ausflug in die Bayernmetropole ist das Musical allemal wert. Begleitet von einer neunköpfigen Liveband, die einen Mix aus Elektro, HipHop, Rock und Popballaden kreiert, imposanten Choregraphien (Benke Rydmann), einer tollen Lichtshow und einem begabten Cast, wird die Inszenierung von Regisseur Christoph Drewitz nie langweilig und bietet alles, was man sich von einer Musicalshow wünschen kann. Geschrieben und komponiert von Kevin Schröder, Nicolas Rebscher, und Simon Triebel (bekannt durch die Band Juli) muss die Musical-Adaption den Vergleich mit dem deutschen Blockbuster nicht scheuen und überzeugt mit innovativen Ideen, viel Liebe und Humor. Vor allem die Romeo und Julia Inszenierung der Theater-AG als Spiel im Spiel, ist so mitreißend und komisch gestaltet, dass das Publikum in tosenden Applaus und Gelächter verfällt. „Besser als im Film“ ist sich der Zuschauer einig und wischt sich die Lachtränen aus dem Gesicht.