Foto: Vanessa Blaser

Die heimliche Veganerin

Vom einen auf den anderen Tag vom Fleischesser zum Veganer. Nicht möglich? Katharina Wawretzka aus Augsburg hat genau das gemacht. Wie es ihr damit ergangen ist, was es mit ihrem Blog auf sich hat und warum es manchmal besser ist, Dinge im Stillen zu tun, erfahrt ihr hier.

Vor sieben Jahren hat Katharina zum ersten Mal über Facebook das Wort „vegan“ gelesen. Ihre Freundin hatte nämlich ein veganes Kochbuch auf Social Media geteilt. Katharina war schon immer interessiert an neuen Trends und recherchierte daher ein wenig zum Thema. „Da wurde mir dann klar, dass Fleisch und tierische Produkte zu essen echt unglaublich schlecht für die Umwelt ist.“

Als sie begann, sich von dem einen auf den anderen Tag vegan zu ernähren, startete sie auch ihren Blog ab jetzt vegan. Dort finden sich Rezepte und Tipps zum veganen Leben. „Mir hat es am Anfang sehr geholfen, in Blogs zu lesen, wie andere das machen. Und damals gab es noch nicht viele vegane Blogs. Also machte ich meinen eigenen Blog. Ich hoffe, dass ich damit auch dem einen oder anderen weiterhelfen konnte.“

Inzwischen ist Katharina auch hauptberuflich Onlineredakteurin für eine Website über vegetarische und vegane Rezepte. Die Umstellung auf eine Ernährungsweise ohne tierische Produkte fand sie nicht schwer, sondern eher interessant, da sie viel nachlas und recherchierte und dabei auch viel Neues erfuhr. „Schwierig war es dann eher unterwegs. Zuhause kann man ja einfach selbst vegan kochen, aber unterwegs ist es nicht so leicht. Es kam schon manchmal vor, dass ich nur einen Salat hatte. Oder wenn man am Bahnhof etwas zu essen kaufen möchte, bleibt einem nur noch die trockene Brezel. Und dann muss man hoffen, dass sie nicht in Butter ausgebacken wurde.“ Bei der Ernährungsumstellung lernt man, umzudenken. Es gibt nicht mehr „Hauptessen“ wie Fleisch und eine Beilage. Diese Kategorien muss man ablegen, damit es funktionieren kann.

Auch bei Kosmetika achtet Katharina darauf, dass sie vegan sind. „Wenn es für mich eine gute vegane Alternative gibt, dann ist das super. Man muss halt viel ausprobieren.“ Inzwischen sind bei vielen Läden tierversuchsfrei und vegane Produkte mit Kennzeichen wie einem kleinen Hasen oder einer Pflanze versehen. Dass vegan sein fast schon ein richtiger Trend geworden ist, macht das Leben für Veganer eben doch leichter. Schwierig ist das Thema Schuhe. „Wetterfeste Schuhe ohne Leder gibt es kaum. Wenn, dann müsste man sie im Internet bestellen und das hat für mich auch mit Bequemlichkeit zu tun. Ich will nicht so gerne tausend Modelle bestellen und dann genauso viele wieder zurückschicken. Noch dazu sind die Schuhe ja dann aus Plastik und, ob das so viel besser ist… Daher kaufe ich normale Schuhe und trage sie dann hoffentlich, bis sie kaputt sind.“

Viele Veganer sagen, dass sie sich nach der Ernährungsumstellung viel fitter und gesünder fühlen. Das trifft auf Katharina auch zu, doch für sie kommt noch ein anderer Aspekt dazu. Sie hat dadurch zum ersten Mal verstanden, dass wir als Verbraucher einen großen Einfluss auf die Dinge haben. „Was für einen Einfluss man als Mensch haben kann, welche Teilhabe. Dass man wirklich selbst bestimmen kann, was man kauft und was man isst. Das war mir davor nicht so klar. Das hat sich wirklich in allen Bereichen gezeigt. Auch, das zu verfolgen, was man möchte, wofür man steht.“

Beim Thema vegane Ernährung für Kinder scheiden sich die Geister. Katharina hat selbst einen Jungen im Kindergartenalter und plädiert dafür, das ganze locker zu sehen. Katharinas Freund und Vater des Kindes ist Allesesser und deshalb wurde sich darauf geeinigt, dass ihr Sohn vegetarisch aufwachsen soll. Zuhause wird natürlich nur vegan gekocht und im Kindergarten gibt es mindestens vegetarisch, manchmal auch vegan. „Aber man muss einfach beachten, dass er ein Kind ist. Kinder möchten gerne alles ausprobieren und das soll er auch machen. Wenn er gerne eine Wiener von seinem Kindergartenfreund probieren möchte, soll er das machen. Man muss auch die Kirche im Dorf lassen. Allerdings merkt man bei ihm schon, dass er ein unterschiedet, denn er sagt öfter mal, dass Käse dem Papa gehört. Kinder sind oft von Natur sehr tierlieb. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn ich mit ihm durch den Supermarkt gehe. Dann hat er mich einmal gefragt, warum da Fische liegen, weil die doch eigentlich ins Wasser müssen und war ganz bestürzt, als ich ihm erklärt habe, dass manche Leute Fisch essen.“

Für Katharina ist es sehr wichtig, dass von ihr niemand bekehrt werden soll. Denn Ernährung ist ein sehr sensibles Thema, weshalb viele ablehnend reagieren, wenn jemand anderes es vermeintlich besser weiß, was gut für einen ist. „Oft ist es so nach dem Motto: Die Leute wissen doch alle, wie schlimm die Massentierhaltung ist, warum schaffst du es jetzt nicht, auf Fleisch zu verzichten. Das hat aber nicht nur etwas mit wollen zu tun, das ist halt nicht so einfach. Ich sage daher inzwischen auch oft nicht mehr, dass ich vegan lebe. Dann sind die Leute ganz überrascht, wenn sie es doch mal merken. Die sagen dann: Aber du isst doch immer mit und siehst ja so gesund aus! Das hätte ich nie gedacht. So mit den Vorurteilen aufzuräumen bringt meiner Meinung nach viel mehr, als es ständig vor sich her zu tragen.