Laufen - vom Hasssport zur Leidenschaft

Annika Schaller aus Augsburg hat Laufen in der Schule gehasst. Im Sport-LK musste sie 8 km laufen und war auch noch richtig schlecht. Inzwischen ist sie bereits einen Marathon gelaufen. Gerne würde sie das ihrem Sportlehrer mal erzählen.

 Was machst du eigentlich hauptberuflich?

Ich bin Studentin. Ich studiere Lehramt für berufliche Bildung. Ich werde also quasi Lehrerin für berufliche Schulen. Im Erstfach habe ich Gesundheits- und Pflegewissenschaften und im Zweitfach Sozialkunde. Davor habe ich eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester gemacht. In einem Jahr bin ich dann endlich fertig.

Was genau hat es mit dem Projekt annigoesrunning auf sich?

Eigentlich ist das gar kein Projekt (lacht). Im Januar 2016 habe ich angefangen für meinen ersten Halbmarathon zu trainieren. Da war ich dann auch immer auf Instagram unterwegs. Mich hat das total motiviert, wenn Leute da etwas über das Laufen geschrieben haben und was sie schon alles geschafft haben. Deshalb habe ich dann ab und zu über mein privates Profil etwas geschrieben, aber im Umkreis haben die Leute ein bisschen sonderbar reagiert. Um die Leute aber trotzdem motivieren zu können, habe ich mir ein extra Profil angelegt. Anfangs habe ich das auch niemandem erzählt, das wusste nicht mal mein Mann! Ich habe gesagt, wenn ich irgendwann einmal 1000 Follower habe, dann erzähle ich es meinem Mann. Der hat dann gelacht und gesagt: "Du musst auch jeden Scheiß mitmachen!"

Mich selber motiviert das natürlich schon auch, weil man eben viel positives Feedback bekommt.

Seit wann läufst du denn überhaupt? Hat das dann mit dem Profil zusammen angefangen?

Eigentlich schon. Im Sommer 2015 wollte ich ein bisschen mehr laufen, um abzunehmen. Aber das war für echt immer eine Qual, ich hatte darauf überhaupt keine Lust. Nebenbei arbeite ich im Sommer immer in einem Ferienprogramm und ein Kollege dort, der läuft sehr viel. Wir sind dann immer für eine Woche im Zeltlager und der Kollege ist zu der Zeit dann immer laufen gegangen, weil er auf einen Halbmarathon trainiert hat. Das fand ich total beeindruckend, so eine Distanz zu laufen. Ich habe ihn dann gefragt, ob ich mal mitgehen kann, wenn er laufen geht. Da bin ich aus dem Stand meine ersten 10km gelaufen. Da habe ich mir gedacht: "Boah echt cool, gleich so weit!". Das war sogar in unter einer Stunde damals. Das hat dann etwas in mir ausgelöst, denke ich. Das Gefühl danach ist eh immer das tolle, also so geht es mir. Da fühle ich mich total euphorisch.

Dann bin ich regelmäßig gelaufen, aber noch nicht so viel, wie jetzt. Im Januar 2016 habe ich dann beschlossen, dass ich auch einen Halbmarathon laufen möchte. Der hat im Juni 2016 hier in Augsburg stattgefunden. Seit dem laufe ich eigentlich immer drei bis vier mal pro Woche. Dieses Jahr im Mai bin ich dann meinen ersten Marathon gelaufen, das war ein echtes Highlight.

Davor war Laufen noch nicht so dein Ding?

Nein, ich hatte zum Beispiel Sport-LK in der Schule und da habe ich Laufen wirklich gehasst. Da mussten wir mal 8km laufen auf Note. Ich weiß das noch genau, ich bin da auf Anschlag gelaufen. Was heute für mich ein chilliges Tempo ist, war damals total schnell. Danach dachte ich, ich kriege keine Luft mehr. Also es ist schon witzig, wie man sich da so verändert.

Wie motivierst du dich und wie überwindet man den inneren Schweinehund?

Ich laufe ja meistens in der Früh. Und das Gefühl, schon gleich aktiv und sportlich in den Tag zu starten, motiviert mich eigentlich am meisten. Also ich bin auch keine die aufsteht und denkt: Juhu, endlich wieder laufen. In der Früh würde ich dann auch lieber noch eine Studne im Bett liegen bleiben, aber es ist irgendwie so schön, wenn man heimkommt und halt einfach weiß, dass man schon etwas Gutes für sich und seinen Körper gemacht hat.  Wenn man dann noch eine Laufuhr hat, die anzeigt, wie viele Kalorien man verbrannt hat, ist das natürlich auch motivierend. Und das ist eigentlich so meine Motivation, dieses Gefühl danach.

Natürlich hilft es auch, sich Ziele zu setzen. Da war es gut, dass ich den Halbmarathon unbedingt schaffen wollte. Ein paar Leute in meinem Umfeld haben das auch ein bisschen belächelt und da wollte ich es ihnen erst recht zeigen. Sagen zu können: "Hey, jetzt schaut mal her, was mit Ehrgeiz alles möglich ist!".

Gab es besondere Erlebnisse in Zusammenhang mit dem Laufen?

Ja, also besonders emotional war natürlich der Marathon. Als ich da über die Ziellinie gelaufen bin, das war wirklich krass. Da ist man total am zittern. Das war wirklich unglaublich. Vorher hätte ich das nie gedacht. Da bin ich eben mit dem einen Kollegen gelaufen, der ist da mit mir mitgelaufen. Eigentlich wollte er den Marathon auch selbst laufen, er ist nämlich schneller als ich. Aber er hatte dann eine Verletzung und deswegen hat er mich begleitet. Der hat mich dann mehr oder weniger übers Ziel geschoben. Die letzten zwei Kilometer waren dann schon hart. Da würde man sich am liebsten hinsetzen und sagen: "Ich mag jetzt nicht mehr". Aber der Kollege hat mich da total angefeuert. Er hat immer gesagt "Gleich bist du ein Marathoni Annika, los, los!". Dann hat er mich so übers Ziel geschoben und dann gleich so umarmt. Das war dann ein sehr emotionaler Moment und der Grund, warum ich jetzt wieder einen Marathon laufen will.

Ein kurioses Erlebnis gab es auch. Bei dem Wings for Life World Run war dieses Jahr eine Schafherde unterwegs. Irgendwie hat der Schäfer wohl vergessen, dass da der Lauf ist und wollte seine Schafe auf die Wiese treiben. Anfangs war das schon lustig, dass überall Schafe waren, aber die Tiere haben dann auch irgendwann Angst bekommen und sind immer zwischen den Läufern herumgelaufen. Wir Läufer konnten da in dem Moment natürlich leider nichts machen. Aber die Tiere taten mir dann echt leid.

Was sind Pläne für die Zukunft?

Noch mal einen Marathon laufen. Und ich würde sehr gerne mal eine Laufgruppe in Augsburg gründen. Das habe ich jetzt schon öfter auf Instagram gesehen und da hätte ich wirklich Lust dazu, dass man dann halt in der Gruppe läuft.