Das theter Ensemble Freie Kunst in Augsburg

Das Laientheater in Augsburg blüht immer mehr auf. Wir haben uns für euch mit der ersten Vorsitzenden des theter Ensembles Verena Gawert und der Schriftführerin Julia Just aus Augsburg getroffen und vieles über ihre Ursprünge, peinliche Erlebnisse und Zukunftspläne erfahren.

Das theter Ensemble gibt es nun seit 2015 in der heutigen Form, doch die Geschichte reicht weiter zurück. Bereits vor etwa 10 Jahren gab es die Idee zu einem Verein, der dann auch gegründet wurde. Doch, weil alle Beteiligten sehr jung und meist Studenten waren, war die Gruppe sehr dynamisch – ein bisschen zu sehr und die Sache verlief irgendwann im Sande. Damals wie heute ist ein wichtiger und sehr engagierter Teil des Ensembles Leif Eric Young, der auch die künstlerische Leitung inne hat. „2015 gingen wir dann noch einmal mit neuem Elan an die Sache ran. Den Verein gibt es jetzt seit Januar diesen Jahres.“

Professionalisierung der Allrounder 

Die Vereinsgründung war für das Ensemble ein wichtiger Schritt. So konnten sie sich professionalisieren und es ist inzwischen mehr Struktur vorhanden. „Trotzdem wollen wir zukünftig flexibel bleiben. Dass man sich immer wieder neu erfindet, das ist wichtig denke ich. Wir wollen nicht als „Theatergruppe“ gesehen werden. Wir sind ein freies Theaterkollektiv, praktisch ein eigenes Theater. Wir haben eine Bühne und machen Regie, Technik und Bühne und so weiter selbst. Außerdem gehen unsere Projekte ja auch weit über das reine Theaterspielen hinaus.“

Freie Rollenverteilung für mehr Kreativität

Daher sind die Rollen im Ensemble auch nicht so klar abgesteckt. „Ich denke, wir hatten einen gemeinsamen Startpunkt und jetzt entwickeln wir uns gemeinsam weiter.“ Wenn jemand, der bisher nur geschauspielert hat, beschließt, gerne Technik oder Regie lernen zu wollen, ist das also kein Problem. Das Ensemble ist für alles offen und immer in Bewegung.

Auf die Frage, wie man mehr junge Leute für Theater begeistern kann, erklären sie, dass es wichtig ist, sich zu zeigen. „Wir gehen eben auch auf die Straße und haben Kontakt zu den Leuten, anstatt hinter verschlossenen Türen einen Fünfakter zu proben. Dann erkennen die Leute auch, wie viel Arbeit da dahinter steht.“ Und eben auch, dass Theater mehr kann, als nur Schüler zu langweilen.

Unvorhersehbare Erlebnisse

Was auf der Bühne passiert, kann man vorher nie wirklich vorhersagen oder planen. Es kommt immer wieder zu witzigen bis sonderbaren Erlebnissen. „Mein traumatischstes Erlebnis war wohl, als wir Bahnwärter Thiel gespielt haben. Da hing ich festgekettet in einem Metallgerüst. Mein Freund hat Thiel gespielt und stand neben mir. Dadurch, dass er die ganze Zeit so aufrecht stehen musste und die Arme hochhalten, war er dann völlig verkrampft. Plötzlich hat er angefangen, total komisch zu reden. Ich dachte, er hätte einen Herzinfarkt oder Schlaganfall oder so etwas. Aber ich konnte natürlich nichts machen. Später stellte sich heraus, dass es nur ein Kieferkrampf war – zum Glück!“ Am schönsten ist es für das Ensemble, wenn Patzer oder Improvisiertes dem Publikum gar nicht auffallen.

Zukünftig will sich das theter Ensemble weiter professionalisieren, aber dabei seinen Charme behalten. „Diese freie Szene ist irgendwie schon unser Zuhause geworden. Wir wollen jetzt kein neues Stadttheater werden. Wir haben ja schon ein tolles Stadttheater.“ Am 11. September findet um 18 Uhr ein Ensembletreffen im dritten Stock des City Clubs Augsburg (Zugang über Wallstraße) statt, bei dem auch neue Leute dazu stoßen können. Wer Lust hat, sich das ganze einmal selbst anzuschauen, kann sich gerne per Email dafür anmelden.