Nach(t)gedacht: Neue Nachbarn gefällig? (Kommentar)

Was ist schwieriger zu finden, als die sagenumwobene Nadel im Heuhaufen? Ich verrate es Euch: Eine bezahlbare Wohnung in Augsburg. Stimmt doch gar nicht, sagt Ihr? Stimmt sehr wohl, sage ich. Dann nämlich, wenn man gerne als WG ins neue Heim einziehen möchte. „Eine Vermietung an WGs ist leider nicht möglich.“ „Keine WGs“. „Nicht WG-tauglich.“ Es sind Anmerkungen, wie diese, die mir die Wohnungssuche so schwer machen. 

Ich bin 25 Jahre, auf der Mieterselbstauskunft mache ich mein Kreuzchen bei ledig und ich habe weder Bock drauf, bei meiner Mutter noch ganz alleine zu wohnen. Genauso wenig will ich aber in eine Zweck-WG zu Leuten ziehen, die ich gar nicht kenne und auch nicht in die große Uni-Party-WG. Dann doch lieber mit zwei guten Freunden aus der Schulzeit zusammenziehen. Das aber ist leichter gesagt als getan. Der Wohnungsmarkt ist angespannt, vor allem wenn man das 300 qm-Penthouse für 2000 Euro im Monat leider aus Kostengründen von vornherein von der Liste streichen muss. Bei der Hälfte der Wohnungen, die dann noch übrig bleiben, stößt man dann auf die WG-Problematik. Ich kann durchaus verstehen, dass der Vermieter keine Lust hat, auf Ärger mit den Nachbarn, wegen Dauer-Studi-Party. Und natürlich feiert so eine WG öfter als vielleicht ein berufstätiges Ehepaar. Aber WG ist eben nicht gleich WG und nicht jede Wohngemeinschaft ist genau eine von der Sorte. Im verdammt nochmal 21.

Vorurteile aus dem Kopf bekommen

Jahrhundert hat sich diese Wohnungs- und Lebenssituation doch aus dem typischen Klientel heraus emanzipiert. Auch berufstätige Singles wohnen in WGs und sind – man höre und staune – vielleicht gar nicht an lauter Musik und Riesenpartys interessiert und auch die ein oder andere Erstsemester-WG besteht vielleicht aus ruhigerern Zeitgenossen als so mancher Single-Haushalt. Viele Vermieter geben diesen Leuten gar keine Chance, sich vorzustellen und davon zu überzeugen. Geschweige denn dazu, sich die Wohnung mal persönlich anzusehen. Aber klar, die Vermieter sitzen natürlich am längeren Hebel. Wenn sich mehr als 50 Leute auf eine einzige Wohnung bewerben, können die sich einen solchen Luxus leisten. Und wenn es dann doch mal klappt mit einer WG, dann werden Bürgschaften der Eltern gefordert, obwohl doch eigentlich genau die Kaution diese Sicherheitsfunktion übernehmen soll. Alles nicht so einfach oder doch? Ah da hab ich doch was gefunden – Fehlalarm, war nur eine Stecknadel.