Schlaf Was ist das?

Ich bin heute so eine Mischung aus Schlaf und wach – also schwach. Dieses Gefühl kennen Julian Strampp (25), Julia Polke (25) und Veronika Hornung (28). Die drei haben nämlich vom lebensnotwendigen Schlaf viel zu wenig und das bedingt durch ihre Berufe. Julian hat vier Jobs. Er ist Barkeeper, schreibt an seiner Masterarbeit, arbeitet als Hiwi am Lehrstuhl für Rechts- und Wirtschaftswissenschaft und ist Werkstudent bei der SWA. An Schlaf ist bei ihm kaum zu denken. Julia arbeitet als Krankenschwester in Schichtdienst und Vroni dürftet ihr von Radio Fantasy kennen. Hier ist sie Moderatorin von „Die neue Gute-Laune-Morningshow“. Die drei haben völlig unterschiedliche Arbeitszeiten und Berufe, gemeinsam ist ihnen aber der wenige Schlaf. Völlig unverständlich, wie sie das überleben können. Wie wirken sich die Arbeitszeiten und der Schlafmangel auf ihren Körper, das Sozialleben und ihre Laune aus? Können sie sich vorstellen, ihr Leben lang gegen ihren biologischen Rhythmus zu arbeiten oder sehen sie körperliche Grenzen? 

A-YOU!: Wie sind eure Arbeitszeiten?

Julian: So ganz genau kann ich das nicht sagen. Sie sind wild gemischt. Bei den Stadtwerken sind es zwei Halbtage, damit ich danach noch an die Uni kann. Jede freie Minute geht gerade für die Masterarbeit drauf und am Wochenende stehe ich dann hinter der Bar. Ich arbeite also fast rund um die Uhr.

Julia: Die Frühschicht geht von 6 bis 14.30 Uhr, die Spätschicht von 12.30 bis 21 Uhr und die Nachtschicht von 20.30 bis 6.30 Uhr. Welchen Dienst ich habe, das erfahre ich immer vier Wochen im Voraus und danach muss ich dann mein restliches Leben planen.

Vroni: Montag bis Freitag arbeite ich von 4.30 bis 14 Uhr im Sender und dann unterrichte ich Montag und Dienstag noch an der Fachakademie für Sozialpädagogik. Das sind dann meine beiden längsten Tage, da geht es nach der Sendung ab in die Schule. Ich unterrichte ungefähr eineinhalb Stunden, aber das muss natürlich auch vorbereitet werden.

A-YOU!: Wie sieht euer Tagesablauf aus?

Julian: Das kommt immer auf den Tag an, welchen Job ich gerade ausübe. Ich bin aber absolut kein Morgenmensch. Trotzdem versuche ich immer so gegen 10 Uhr am Einsatzort zu sein. Frühstück fällt bei mir aus. Duschen, anziehen und los. Ich schlafe lieber zehn Minuten länger, also sehr ungeregelt alles.

Julia: Gerade habe ich Nachtdienst. Das heißt, ich geh um 8 Uhr ins Bett und steh um 16.30 Uhr auf, um dann um 20.30 Uhr in der Arbeit zu sein. Ich stehe normal immer kurz vor knapp auf, oft zehn Minuten bevor ich das Haus verlasse. Ich mache mir meistens nur noch schnell einen Tee. Lieber schlafe ich länger, als mich zu schminken oder zu frühstücken.

Vroni: Ich stehe um 3.30 Uhr auf. Dann hole ich eine Kollegin ab, fahre in den Sender und bereite meine Show vor. Von 5 bis 6 bin ich dann allein auf Sendung und von 6 bis 10 kommen die Jungs dazu. Danach haben wir eine kurze Pause und dann wird schon die Sendung für den nächsten Tag vorbereitet. Um 14 Uhr ist Schluss. Meine Schlafenszeit variiert ein wenig. Im Winter bin ich immer schon um 18 Uhr schlafen gegangen, aber ab und zu will man ja auch sein Privatleben genießen und lässt sich überreden, noch Abendessen zu gehen. Wenn ich dann erst so um 23 Uhr ins Bett komme, dann ist der nächste Morgen ziemlich happig. Mittagschlaf ist bei mir nicht drin. Ich muss schließlich noch mit meinem Hund Barney raus. Da gehe ich lieber früher ins Bett, ansonsten würde ja auch der Wecker zweimal am Tag klingeln, was wirklich furchtbar wäre.

Wecker als natürlicher Feind

A-YOU!: Sofort aufstehen oder Snooze-Taste?

Julian: Absolut Snooze-Taste und drei Wecker, sonst werde ich nicht wach.

Julia: Die Snooze-Taste ist mein Elixier. Ich muss mir auch drei Wecker stellen, damit ich es schaffe aufzustehen.

Vroni: Eigentlich sollte ich sofort aufstehen, dann wäre ich sicherlich fitter, aber mein Wecker klingelt ganz oft und ich betätige auch häufig die Snooze-Taste, zum Leidwesen meines Freundes. Ich habe sogar fünf Wecker und meinen Hund, der hört ihn nämlich und legt dann seine Schnauze auf mein Bett, was ein wenig hilft.

A-YOU!: Seid ihr Kaffee-Junkies? Geht das alles ohne Koffein überhaupt?

Julian: Ich finde Kaffee und Energy-Drinks ziemlich ekelig.

Julia: Ich vertrage kein Koffein. Ich werde eher durch meine Arbeit wach.

Vroni: Ich brauche literweise Kaffee. Krass wie die anderen es ohne Kaffee schaffen.

A-YOU!: Wirkt sich der wenige Schlaf auf eure Laune aus?

Julian: Ja, leider sehr. Ich versuche natürlich, dass es sich im Rahmen hält, aber die ersten drei Stunden nach dem Aufstehen komme ich nicht so gut mit Menschen zurecht. Da muss ich mich schon erst einmal akklimatisieren.

Julia: Ich bin absolut kein Morgenmuffel, ich komme einfach nur schlecht aus dem Bett. Wenn ich dann wach bin, bin ich auch immer gut drauf.

Vroni: Ich bin auch kein Morgenmuffel. Ich habe aber auch Zeit aufzutauen, bis der Rest eintrudelt und mit dem Team kann man auch nicht schlecht drauf sein. Wir pushen uns gegenseitig. Jeder macht Späße und blödelt rum und dann passt das.

A-YOU!: Spürt ihr schon gesundheitliche Probleme durch das Arbeiten gegen euren biologischen Rhythmus?

Julian: Ich habe ein Standard-Accessoire: Augenringe. Die variieren an Größe, Farbe und Intensität. Ansonsten merke ich körperlich noch keine Mangelerscheinungen. Ich versuche es über meinen Ausgleich zu kompensieren.

Julia: Der Job als Krankenschwester geht nicht auf Dauer. Es geht körperlich und psychisch an die Substanz. Wenn ich beispielsweise während des Nachtdienst Sport treibe, dann habe ich weniger Kondition und schneller Muskelkater. Außerdem verspüre ich ziemlich häufig innere Unruhe. Der Schlafentzug ist schon heftig. Wenn ich Urlaub habe, dann brauche ich eine Woche, um runter zu kommen.

Vroni: Am Wochenende ist bei mir nicht viel los. Das brauche ich völlig zum Regenerieren, was oft echt schade ist, weil man was mit Freunden machen will und ich häufig absagen muss, weil ich so erledigt bin. Ich kann aber immer und überall schlafen, egal in welcher Position oder Örtlichkeit. Das ist mein Vorteil.

 

Arbeit allein reicht nicht

 

A-YOU!: Was macht ihr als Ausgleich zum Job?

Julian: Lange Zeit habe ich nichts gemacht, was schlimm war. Jetzt habe ich wieder angefangen, Theater zu spielen. Sport mache ich nicht, aber lesen oder Serie schauen. Das hilft schon.

Julia: Ich gehe ins Zumba, da gehe ich völlig auf, aber durch meine Arbeitszeiten ist das nicht immer möglich, was wirklich schade ist.

Vroni: Ich bin viel mit Barney draußen an der frischen Luft. Wenn ich das nicht hätte, würde ich wohl nur zu Hause vor dem Fernseher sitzen und essen. Durch den Schlafentzug ist mir oft kalt und ich habe unglaublich Hunger. Da muss ich aufpassen, vor allem bei Süßkram.

A-YOU!: Welche Opfer bringt ihr für euren Job?

Julian: Das größte Opfer, das ich bringe, ist wohl die Freizeit, die ich nicht mit meinen Freunden verbringen kann, weil ich am Wochenende arbeite, wenn der Rest frei hat. Die Terminfindung ist wirklich schwierig.

Julia: Ich würde gern öfters in Sport gehen. Außerdem sind leider auch schon Freundschaften wegen meiner Arbeitszeiten und meinem Job drauf gegangen, weil mir kein Verständnis entgegen gebracht wurde. Außerdem ist der Job ein absoluter Liebeskiller.

Vroni: Ein wenig meine Gesundheit und mein soziales Leben. Am Wochenende habe ich häufig nicht mehr die Energie, um wegzugehen. Aber auch wenn ich es oft nicht auf die Reihe bekomme, sage ich euch: „Schlaf wird überbewertet.“ Oft lohnt es sich, sich durch ein Tief durchzupushen, und dann verpasst man eben nicht alles und kann so die Glücksmomente mitnehmen. Sonst verschläft man sein ganzes Leben.

 

Das Sozialleben muss Verständnis haben

 

A-YOU!: Wie bekommt ihr Arbeit, Familie und Freunde unter einen Hut?

Julian: Ich muss viele Kompromisse eingehen und eben Ausweichtermine finden. Das ist zwar anstrengend, geht aber.

Julia: Mit sehr viel Planung, aber wenn ich ehrlich bin, dann ist man im Freundeskreis nicht völlig integriert, weil man einfach nicht immer da ist. Meine Familie bringt mir sehr viel Verständnis entgegen und dann klappt das alles schon.

Vroni: Ich habe am Wochenende Zeit für sie, außer ich schlafe natürlich. Zudem sind alle super verständnisvoll.

A-YOU!: Es ist ja nicht alles schlecht an eurem Job. Was sind die Vorteile?

Julian: Vorteil für mich ist, dass ich es nicht schaffe, mehr als einen Tag zu Hause rum zu sitzen. Mein Motto ist: „I‘m always busy.“ Außerdem macht es einfach Spaß vor allem an der Bar. Ich habe mit Menschen zu tun und es ist meistens lustig. Da kann ich neben der Arbeit auch trinken, das ist schon ziemlich nice.

Julia: Den Adrenalinkick will ich nicht missen. Außerdem liebe ich den Kontakt zu den Patienten. Ich könnte mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen. Ich gehe als Krankenschwester völlig auf.

Vroni: Ich hab was vom Tag und kann gechillt einkaufen. Ich komme niemals in die Rush Hour und bekomme immer einen Parkplatz.

A-YOU!: Habt ihr einen Tipp für Morgenmuffel?

Julian: Bleibt liegen!

Julia: Versucht einfach mal zu lächeln... auch wenn es schwer fällt. Vielleicht hilft es ja.

Vroni: Ganz viel Kaffee und natürlich Radio einschalten. Wir in der „Neuen Gute-Laune-Morningshow“ verbreiten immer gute Laune. Wenn es euch mal richtig schlecht geht, dann ruft einfach bei uns an, uns fällt dann schon ein Quatsch ein, um euch aufzuheitern.