Fahrrad: Freiheit durchs Radeln

Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den grauen Schleier des Winters. Sofort steigt die Laune und der Bewegungsdrang wächst. Die Fahrräder werden wieder aus dem Keller geholt und fahrtauglich gemacht. Einer, der eine echte Leidenschaft für das zweirädrige Gefährt hat, ist Peter Zimmerly. Der Landschaftsarchitekt ist ein echter Schrauber und bastelt in seiner Freizeit gerne alte, originalgetreue Stahl-Rennräder zusammen. Doch er bastelt nicht nur gern an alten Fahrrädern herum, sondern er durchstreift mit seinem Rennrad auch Augsburg und die Umgebung und gibt einen fantastischen Routentipp für Schönwetter-Radler. Außerdem verrät er dem A-YOU! seinen peinlichsten Sturz und erzählt von seinem Treffen mit Tour de France Fahrer Willi Singer, der in Augsburg eine Werkstatt hat.

Für Peter ist das Fahrradfahren ein absolutes Gefühl der Freiheit. Zusätzlich baut er leidenschaftlich gern alte Stahlrennräder auf, bei denen er sich die Originalteile im Internet zusammensucht, was oftmals gar nicht so einfach ist, wie er erzählt: „Ich bin ein Bastler, der verheerend viel Geld für Einzelteile ausgibt. Ich habe mir selbst verboten, darüber nachzudenken, wie viel Geld ich für mein Hobby ausgebe. Mir ist es einfach wichtig, dass ich bei der Restauration ausschließlich Originalbauteile aus dem entsprechenden Jahr verwende. Da kann es schon einmal ein ganzes Jahr dauern, bis ich alle Teile für ein komplettes Rad gefunden hab. Dazu durchforste ich wie ein Wilder das Internet.“ So lange hat es auch gedauert sein allererstes Fahrrad von Grund auf aufzubauen. Es ist sein absolutes Highlight und darf sogar in seinem Wohnzimmer hängen (siehe Bild oben). Die Leidenschaft des 34-Jährigen springt förmlich über, wenn er über sein erstes Projekt – das Norta Aero 600AX - spricht: „Es ist nur ein einziges Mal aus dem Haus gekommen, auch wenn es voll fahrbar ist. Ich will es aber auf keinen Fall verkratzen. Ich habe ihm einen neuen Lack und Aufkleber verpasst. Als Schrottteil habe ich es gekauft und alles komplett selber restauriert. Das Modell ist eigentlich hauptsächlich als Ausstellungsmodell entworfen worden. Es ist also gar nicht so praktisch, es ist eher zur Präsentation von Shimano Bauteilen (lacht). Es ist zu 100 Prozent sortenrein, darauf bin ich ziemlich stolz. Nachdem ich alle Originalteile zusammengesammelt hatte, habe ich ungefähr drei Monate dran rumgewerkelt.“ Einfach anfangen. Das war das Motto von Peter, denn wie das funktioniert, wusste er vorher nicht: „Ich habe mir das alles selber beigebracht. Eigentlich erklärt sich so ein Fahrrad von selber und es ist kein Hexenwerk. Außerdem gibt es genügend Foren, bei denen ich mich schlau gemacht habe.“

Fashionstatement auf dem Rad?

Die Frage aller Fragen – Wie stehst du zu Radlerhosen? -  interessiert uns natürlich auch noch brennend. Diese Antwort kann uns der 34-Jährige nur mit einem breiten Grinsen erzählen: „Die Eitelkeit siegt (lacht). Ich fahre tatsächlich in Speedos und Tanktop wegen der nahtlosen Bräune. Aber im Prinzip finde ich Radlerhosen schrecklich. Aber hey, ich rasiere mir wenigstens nicht die Beine.“ Wenn wir gerade bei Peinlichkeiten sind, kommen wir gleich zu seinem unangenehmen Sturz an der Haunstetterstraße, von dem Peter mit einem Lachen auf den Lippen berichtet: „Ich habe leider meistens das Glück, dass ich massig Publikum habe, wenn ich einen Unfall baue. So auch an der Haunstetterstraße an den Straßenbahngleisen. Ich bin ganz normal gefahren und plötzlich habe ich mich nach vorne überschlagen. Ich muss irgendwie in die Schienen gekommen sein. Als ich gelandet war, habe ich meinen Körper Stück für Stück abgetastet und keine Wunde gefunden. Ich muss mich anscheinend gut abgerollt haben. Es sind gleich Leute auf mich zugerannt gekommen und wollten wissen, ob sie einen Krankenwagen rufen sollen, aber es war wirklich nur mein Ego verletzt. Das Fahrrad und ich sind glücklicherweise ganz geblieben.“

Zum Glück, denn ansonsten könnte der Landschaftsarchitekt nicht mehr eine seiner Lieblingsstrecken (Karte) radeln: „Die Strecke ist mit dem Rennrad etwas anspruchsvoll, weil sie zum Teil über Feld- und Waldwege führt, die aber größtenteils ziemlich gut platt gefahren sind. Aber mir ist es eben auch wichtig, dass die Landschaft schön ist. Es kommt mir nicht nur auf die Bewegung an, sondern auf das Freiheitsgefühl. Ich höre nebenzu Musik und fahre durchs Gefilde und genieße es.“

Ohne Willi Singer geht nichts

In Augsburg ist Peter Zimmerly nicht alleine mit seiner Leidenschaft für das Fahrrad. Neben den unzähligen Mitgliedern in den unterschiedlichen Radl-Foren gibt es in der Fuggerstadt ja auch noch Willi Singer. Der 68-Jährige ist 1977 bei der Tour de France mitgefahren und hat heute noch eine Fahrradwerkstatt in der Bäckergasse, die schon fast einem Museum ähnelt. Zwei Männer die eine Leidenschaft teilen, da war es Ehrensache, dass Peter, als er die Willi Singer Radsport Kappe im Internet zufällig gefunden hat, in die Werkstatt fährt und sie dem ehemaligen Profi zeigt. Der hat sich darüber riesig gefreut, wie der 34-Jährige erzählt: „Eigentlich trage ich die Mütze nicht. Es war eine einmalige Sache. Als ich sie gekauft habe, musste ich zu ihm in die Werkstatt fahren und sie ihm zeigen. Da hat er sich richtig gefreut und ich mich natürlich auch.“ Zum Abschluss hat uns Peter noch verraten, wo er überall hin radelt: „Im Sommer fahre ich auch mal zum Ammersee nach Utting zum Kaffeetrinken. Super schön sind natürlich auch die westlichen Wälder oder die Strecke nach Landsberg. Für diejenigen, die nicht hin und zurück radeln wollen, denen kann ich nur empfehlen, das Rad mit im Zug mit zurück zu nehmen. Eine wirklich schöne Strecke in Augsburgs Süden könnt ihr auf der Karte unten sehen. Also schwingt euch aufs Rad.“

Eine Fantastische Fahrrad-Route!

Unsere Tour startet in Göggingen, aber ihr könnt auf der Route natürlich starten wo ihr wollt.

Start: Los geht es an der Wellenburger Straße direkt an der Wertach in Richtung Bergheim. Umgeben von Wasser – rechts fließt die Wertach und links der Forellenbach – geht es dann bis Inningen oder Bergheim, je nachdem wie fit ihr seid. Dann scharf links abbiegen Richtung Haunstetten. Unsere Karte führt durch Inningen (Bergheimer Straße) bis nach Haunstetten zum Siebentischwald. Hier gibt es aber auch unzählige Feldwege, solltet ihr nicht an der Straße fahren wollen. Am Klinikum Süd angekommen bietet es sich super an, in den Wald zu fahren und das bis zum Lech. Hier gibt es unterschiedliche kleine Wege, die ihr in Richtung Lech einschlagen könnt. Am Lech geht es bis zum Mandichosee.

Pause: Der Mandichosee bietet sich landschaftlich super für eine Pause an.

Ziel: Auf der Kissinger Seite des Lechs geht es stadteinwärts, umgeben von Wasser und Wald, bis zum Hochablass. Weiter durch den Siebentischwald am Zoo vorbei und dann wieder Richtung Göggingen zum Startpunkt.