Liebe: Vom Tanztee zu Tinder

Swipen ist das neue Ausgehen. Das scheint in der „Generation beziehungsunfähig“, die die Spanne von Anfang 20 bis Ende 30 umfasst, ganz normal zu sein. Dieses Normal, das eben in unserer Zeit gerade möglich ist. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Wenn es jedoch um das Smartphone geht, sind wir wieder eine völlige Einheit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Partnersuche und das Flirten nun auch über das Handy vonstatten gehen. Frauen sind plötzlich Tinderella und die Jungs suchen sich ihre Traumfrau im Tindergarten. 

Unsere Großeltern haben sich noch klassisch beim Tanztee kennen und lieben gelernt und waren bis zu ihrem Lebensende zusammen glücklich. Über die Generationen hinweg hat sich das Lieben ziemlich gewandelt. Die Generation Y versprüht den Anschein, dass sie sich nicht mehr verlieben kann und will, sondern sich nur ein temporäres Anhängsel sucht, das sie bespaßen kann. Dabei wollen wir doch alle insgeheim eine feste Beziehung. Bevor es jedoch zu ernst wird und wir möglicherweise verletzt werden, sind wir auch schon wieder weg. Hinzu kommt die enorme Auswahl: Es gibt unzählige Datingplattformen, in denen man sich „verlieben“ und schnell in virtuellen Kontakt mit dem Gegenüber treten kann. Der Trend geht ganz klar zu Tinder und Co. Ein geschöntes Profilbild, über dessen Motiv mit einem Wisch nach rechts oder links entschieden wird. Völlig unverbindlich und oberflächlich.

Geht die Romantik verloren?

In Augsburg ist das Ganze noch etwas schwieriger. Denn auch wenn wir in einer Großstadt leben, ist die Fuggerstadt eigentlich ein Dorf und so kann es gut passieren, dass man die Person, die man gerade nach rechts gewischt und somit mit einem Herz beglückt hat, direkt in der Tram oder am Rathausplatz trifft. Ansprechen? Fehlanzeige! Lieber wird weiter virtuell gesprochen, was wohl ein zeitgenössisches „Liebesphänomen“ ist. Der Schritt in die Realität ist schwierig und macht Angst und daher wird davor zurückgeschreckt.

Datingapps sind sicherlich ein guter Zeitvertreib, wenn man darüber im Klaren ist, was einen erwarten kann. Nicht alle, die sich auf Tinder und Co. die Zeit vertreiben, wollen auch wirklich den Traumpartner finden. Oftmals geht es nur um die schnelle Nummer oder darum, das Ego zu pushen. Es ist ja schon schmeichelhaft, wenn das eigene Profil vom anderen Geschlecht nach rechts geswiped wird. Die große Liebe durch eine Datingapp zu finden wird also nicht einfacher.