Online-Shopping vs. Stadtbummel

Shopping is my Cardio – mit diesem Spruch können sich wohl die meisten Frauen identifizieren. Doch wo wird geshoppt – im Internet oder doch in der Stadt? Wir präsentieren euch die zwei Seiten und die Gründe für die Wahl. Für unseren Vergleich Online versus Vor-Ort haben wir uns zwei Extreme ausgesucht, die jeweils eine Seite repräsentieren. Bei bestimmten Besorgungen betreiben sie dennoch eine Mischform, wie sie im Folgenden verraten werden. Im World Wide Web fühlt sich Julia Schmid wohl und in den unterschiedlichen Läden in Augsburg ist Daniela Peter zu finden.

 A-YOU!: Niemand betreibt ausschließlich eine Reinform. Kann man sagen, dass ihr jeweils 90 Prozent in der Stadt oder eben im Internet einkauft?

Daniela: Bei mir läuft so gut wie nichts über das Internet.

Julia: Alles, was nicht zu Lebensmitteln und Kleidung zählt – ja, definitiv.

A-YOU!: Was fällt dann unter die 10 Prozent, die nicht wie üblich online oder stationär gekauft werden?

Daniela: Vor allem Dinge für mein Handy, wie beispielsweise Hüllen oder Halterungen, weil die in der Stadt einfach zu teuer sind und ich sie meistens nicht so finde, wie ich sie gern hätte. Das Ausgefallene gibt es eben nicht überall.

Julia: Schuhe sind ein ganz heikles Thema, wenn man nicht eine bestimmte Stamm-Marke besitzt. Die kaufe ich gerne vor Ort, um sie in die Hand zu nehmen, die Qualität zu überprüfen und sie anzuprobieren. Damit erspare ich mir dann das lästige Umtauschen oder Zurückschicken. Und Lebensmittel würde ich auch nie online bestellen – außer es handelt sich um Import-Snacks wie Pop-Tarts. Auch hier will ich mich einfach von der Qualität überzeugen, bevor ich dafür Geld bezahle.

A-YOU!: Julia, warum kaufst du hauptsächlich online ein?

Julia: Bei mir hängt das Online-Shopping hauptsächlich mit der Arbeit und meinen Hobbys zusammen. Ich sitze von morgens bis abends im Büro. Wenn ich dann Feierabend habe, bin ich froh, wenn ich mich nicht noch in der Rush Hour mit anderen gestressten Menschen in lange Schlangen stellen muss. Dazu ist mir mein Feierabend dann doch zu schade. Ein weiterer Grund sind, wie bereits gesagt, meine Hobbys. Ich bin ein kleiner Geek und Nerd. Viele Dinge, die ich mir zu Lieblingsfilmen und -serien kaufen möchte, bekomme ich nicht in Geschäften in Augsburg. Manche nicht einmal in irgendeinem Geschäft in Deutschland. Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als online einzukaufen.

A-YOU!: Warum weigerst du dich im Internet einzukaufen, Daniela?

Daniela: Ich finde es zu unsicher. Du weißt nicht, ob die Bilder stimmen und ob das dann wirklich das Richtige ist, was einem geschickt wird und wann es genau ankommt. Wenn es dann nicht passt, ist es aufwendig, es zurückzusenden und das ist mir wirklich zu doof.

Vorsicht vor Fakeseiten

 A-YOU!: Hast du da schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht?

Daniela: Ja. Ich habe mir Markenschuhe im Internet bestellt. Sie kamen nicht nur in der falschen Farbe bei mir an, sondern auch noch in einer anderen Größe. Zudem waren es Plagiate, also keine Originale. Der Karton war total durchnässt und zusammengeflickt. Also die reinste Katastrophe. Außerdem war es dann auch noch ein ewiges Hickhack, bis ich wenigstens einen Teil meines Geldes zurück bekommen habe und das, obwohl ich es über PayPal bezahlt habe. Seitdem bin ich sehr vorsichtig, vor allem bei Markensachen. Im Nachhinein war es schon auch in gewissem Maße mein Fehler, ich hätte mir die Verkaufsseite besser ansehen müssen. Da dachte ich mir, wie blöd konnte ich nur sein.

A-YOU!: Julia, hast du Bedenken bei jedem Online-Kauf deine kompletten Daten anzugeben?

Julia: Nicht wirklich. Ich bin in dem Punkt sehr vorsichtig. Vor allem Shops, die ich nicht kenne, nehme ich vorher genau unter die Lupe. Da google ich erst mal nach Erfahrungsberichten, werfe einen Blick auf das Impressum und sehe mir genau an, ob sie auch seriös sind. Und mittlerweile wickle ich die meisten meiner Bezahlungen über PayPal ab, damit fühle ich mich zum Beispiel mit dem Käuferschutz online besonders sicher.

A-YOU!: Hast du ein schlechtes Gewissen der Umwelt gegenüber, weil bei dir ständig der Postbote klingelt?

Julia: Nein, da habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich besitze kein Auto und bin entweder zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs – das gleicht das dann ein bisschen aus.

A-YOU!: Was treibt dich dazu, dass du dir deine Füße in der Stadt wund läufst?

Daniela: Ich gehe vielleicht ein Mal im Monat shoppen. Es langweilt mich, das Internet nach Klamotten zu durchforsten. Da gehe ich lieber raus an die frische Luft und Augsburg ist ja auch wirklich eine tolle Stadt. Da geht man dann die Maxstraße, Annastraße und am Rathausplatz entlang. Zusammen mit Freundinnen einen gemütlichen Shoppingtag zu erleben ist doch grandios. Da stehen dann oft gar nicht die Klamotten oder Bücher im Vordergrund, sondern dass man gemeinsam einen ganzen Tag verbringt, der dann gern auch noch in einem Café ausklingen darf.

A-YOU!: Welche Vorteile hat Online-Shopping für dich Julia?

Julia: Ich spare viel Zeit. Dank Schnäppchen und der Möglichkeit, verschiedene Anbieter zu vergleichen, natürlich auch oftmals Geld, auch wenn es manchmal nur ein paar Euro sind. Ein großer Vorteil ist aber die Auswahl, die online kaum Grenzen kennt und da ich mich vorab gründlich informiere, schicke ich auch sehr selten etwas zurück. Wenn dann etwas zurückgeht, dann nur, weil es defekt ist.

 Tageserlebnis statt Internet durchforsten

 A-YOU!: Welche Vorteile siehst du, Daniela, beim Kauf in der Stadt?

Daniela: Man sieht noch andere Dinge. Naja ob das jetzt ein Vorteil ist (lacht). Aber man kann es vor Ort anprobieren oder in die Hand nehmen und erkennt meist sofort, ob die Qualität stimmt oder ob das Kleidungsstück passt. Oder man findet eben Sachen, von denen man gar nicht gewusst hat, dass man sie braucht. Ich finde es eben besser, wenn man die Waren dann gleich mit heim nehmen kann und nicht erst daheim anprobieren und dann wieder zurückschicken muss. Der Zeitaufwand jedoch extra in die Stadt zu fahren und hier die unterschiedlichen Geschäfte abzuklappern, der wäre im Internet nicht gegeben.

A-YOU!: Wenn die Möglichkeit bestände, gar nicht mehr selbst einkaufen zu gehen, sondern dir alles zuschicken zu lassen, würdest du das dann tun?

Julia: Prinzipiell ist das schon möglich. Ich könnte zum jetzigen Zeitpunkt alles online kaufen, was ich zum Leben brauche. Von Medikamenten über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln. Aber ich bleibe dabei: Nur weil man alles online kaufen kann, muss man nicht auch alles online kaufen.

A-YOU!: Was kann man in der Stadt besser einkaufen, als online?

Daniela: Für mich ganz klar Geschenke. Wenn ich jetzt sage, ich brauche ein Geschenk, dann laufe ich eben durch die Stadt. Je nachdem, für wen das Geschenk ist, gehe ich in einen vermeintlich passenden Laden, bei dem ich denke, ich werde fündig und meistens finde ich dann da auch wirklich etwas. Die Methode funktioniert bei mir besser als die Suche im Internet, wo ich dann wirklich direkt suchen müsste. Und so bummel ich durch die Stadt und lasse mich inspirieren oder zum Teil auch in Fachgeschäften beraten.

A-YOU!: Was kann man besser online einkaufen als stationär?

Julia: Richtig gute Fanartikel zu Serien, Filmen und Games. Es gibt ein paar Shops in Augsburg und anderen Großstädten – zum Beispiel Elbenwald und GameStop – mit coolen Fanartikeln. Aber ich meine da vor allem Fanarts von talentierten Künstlern und selbstgemachtes Merchandising, das manchmal viel cooler ist als offizielles Merch. Ich habe zum Beispiel sehr kreative und surreale Porträts der beiden „True Detective“-Charaktere in meiner Wohnung, die mir HBO niemals hätte liefern können und einem kleinen Kunstwerk gleichen. Es gibt viele Seiten im Web, auf denen Künstler ihre Werke anbieten. Mit einem Kauf werden sie direkt unterstützt. Society6 ist so eine Seite, auf der ich wirklich viel einkaufe. Was man dort sieht, findet man meist in keinem Laden. Ich habe dort dieses Jahr einen Großteil meiner Weihnachtseinkäufe getätigt und muss zumindest nicht fürchten, dass zweimal die gleichen Dinge unterm Weihnachtsbaum liegen könnten.

Ist Beratung wichtig?

A-YOU!: Wann ist es euch wichtig, richtig beraten zu werden? Für welche Produkte geht ihr in ein Fachgeschäft?

Julia: Bei kostspieligeren Einkäufen gehe ich gerne in den Laden, lasse mich beraten und sehe mir die Ware auch nochmal genau an. Beispielsweise bei meinem Handy-Vertrag. Da habe ich gerne einen kompetenten Fachberater an meiner Seite, der mir jede Frage beantworten kann und den ich bei Problemen mit dem Artikel als Ansprechpartner befragen kann.

Daniela: Sehe ich ähnlich wie Julia. Ich lasse mich hauptsächlich beim Kauf von Unterwäsche beraten. Die muss einfach perfekt sitzen und da hat das Fachpersonal ein besseres Auge und Know-how.

A-YOU!: Gehen wir mal weg vom Einkaufen und reden darüber, wie ihr euch auf dem neusten Stand haltet. Wo holt ihr euch eure News her?

Daniela: Ich lese gern Magazine. Egal ob Klatschblätter oder eben die Zeitung. Einen Abend lasse ich auch gern mal auf dem Sofa vor dem Fernseher ausklingen, wenn ich nicht gerade im Fitnessstudio bin. Natürlich verwende ich Whatsapp, um mit meinen Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, aber dass ich mich jetzt online über Geschehnisse informiere, ist bei mir eher ziemlich selten.

Julia: Ja, ich bin ein absoluter Online-Mensch. Einen Großteil des Tages bin ich im Web unterwegs, was daran liegt, dass ich Online-Redakteurin und unter anderem für die Seite „Serienfuchs“ verantwortlich bin. Ich suche den ganzen Tag online nach spannenden News und Theorien zu angesagten Serien, die unsere Leser interessieren. Einen Großteil dieser Serien, die ich auch selbst schaue, gucke ich auch online – Netflix und Amazon Prime sei Dank! Auf dem Weg nach Hause oder in die Arbeit lese ich online News oder lasse mich einfach auf Tumblr und Reddit berieseln, schreibe via WhatsApp mit Freunden und Familie, scrolle durch den Facebook-, Instagram- oder Twitter-Feed und bringe mich auf den neuesten Stand, was gerade angesagt ist und im Leben von Freunden und Bekannten los ist. So viel im Alltag läuft einfach mittlerweile online ab.

 Wie sieht die Zukunft des Shoppens aus?

 A-YOU!: Werdet ihr euch nochmal ändern?

Daniela: Nein, ich glaube nicht, dass ich mich zum online shopping hinreißen lasse. Ich werde weiterhin in die Stadt fahren, mich hier mit meinen Mädels treffen und durch die Einkaufsstraßen bummeln. Das Erlebnis ist für mich so eben besser.

Julia: Nein, das ist sehr unwahrscheinlich. Ich vermute eher, dass es in den nächsten Jahren noch mehr wird, weil wir uns alle mehr und mehr vernetzen. Das Internet hat unseren Alltag in den letzten Jahren rasend schnell eingenommen und dominiert. Es ist unwahrscheinlich, dass jetzt ein Stillstand naht oder wir einen Schritt zurück treten. Im Gegenteil: Ich passe mich der Entwicklung an und bin gespannt, was uns in den nächsten Online-Jahren erwartet.

A-YOU!: Was denkt ihr, wo die Entwicklung hingeht. Mehr Online oder Rückbesinnung auf Vor-Ort kaufen?

Julia: Mehr online, definitiv. Für die nächsten Generationen wird es ganz selbstverständlich sein, alles online abzuwickeln, weil sie es nicht anders kennen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die jammern, dass früher alles besser war. Wir haben uns einfach weiterentwickelt und in der Zukunft wird sich noch mehr online abspielen. Das ist einfach so. Da hilft es nicht, zu jammern und unsere Generation, die in dieses Online-Zeitalter hineingewachsen ist, zu verfluchen, weil sie ständig auf das Smartphone guckt.

Daniela: Schwer zu sagen. Viele sagen, sie gehen dann doch lieber wieder in die Stadt, um unter die Leute zu kommen oder auch wirklich dann die regionalen Läden zu unterstützen. Das hat in Augsburg ja jetzt auch wieder ziemlich zugenommen, was wahrscheinlich an den unterschiedlichen Unterstützungskampagnen für die Fuggerstadt liegt.

Dass Online in Zukunft immer stärker in den Fokus rücken wird, da dürften wir uns einig sein. Diejenigen, die hauptsächlich online einkaufen, haben ihre Gründe, die meist mit einem Zeitmangel nach der Arbeit und veränderten Lebensbedingungen verbunden sind. Dennoch bedeutet das nicht, dass sich die Käufer, die rund um die Uhr an ihrem Smartphone hängen, keine Gedanken machen. Auch sie wollen bei der Qualität keine Abstriche machen. Nichtsdestotrotz sollten wir uns alle an der eigenen Nase packen und uns Gedanken machen, ob wir vielleicht nicht auch den Händler um die Ecke unterstützen können. Hier wird man nicht nur fachlich super beraten, sondern man tut seiner Stadt auch was Gutes. Wenn wir den Einzelhandel nämlich nicht unterstützten, dann schauen in fünf Jahren alle Städte gleich aus. Zwischen sieben Handyläden, 18 Bankfilialen, einem Ein-Euro-Shop und vier Wettbüros trinken wir unseren Kaffee aus dem Plastikbecher im Vorbeilaufen. Das will nun wirklich niemand.

Damit der regionale Handel nicht zerstört wird, gibt es bereits jetzt Geschäftsmodelle, die beide Welten miteinander verbinden und so einen rundum Service bieten und diesen sollten wir wirklich nutzen.