Foto: Eda Calisti

Das außergewöhnliche Leben des Benedikt Gleissl

Arm-Amputation, Grandhotel-Aufbau, Freak-Shows. Die Geschichte von einem jungen Wahl-Augsburger, der schon einige Rückschläge in seinem Leben erleiden musste und trotzdem voller positiver Energie und Willenskraft schon einiges für die Augsburger Kulturszene auf die Beine gestellt hat.

Benedikt ist fünfzehn Jahre alt, als ihm ein bösartiger Knochentumor den rechten Arm raubte. Doch kein Grund zum Aufgeben: „6 Prozent Überlebenschance, aber ich bin am Leben!“ lächelt er im Interview.  Er zog für sein BWL-Studium nach Augsburg und kassierte eine 1,0 für seine Diplomarbeit über das Grandhotel Cosmopolis. Während und nach dem Studium beginnt er den Aufbau des Grandhotels, einem schmucken Hotel im Domviertel, das sich neben vieler kultureller Angebote gleichzeitig die Eingliederung und Unterbringung von Asylbewerbern zur Aufgabe macht. Über zwei Jahre und einen Teil seines Privatvermögens investierte Benni in das Grandhotel, dabei geht er nach dem Prinzip der sozialen Skulptur von Joseph Beuys: „Man soll ein Lebewesen erschaffen, und solange Zeit in es investieren , bis es von selber lebt und einen nicht mehr benötigt. So war es auch mit dem Grandhotel. Sobald es von alleine gelaufen ist, konnte ich mich auf neue Dinge konzentrieren, auch wenn es eine schöne Zeit war,“ erklärt der Mitgründer.

Sein nächstes Projekt war die Gründung der Künstlervereinigung Colligatio, die unter anderem das Taubenschlag Festival, das Mozartfeschtle und das Modularfestival mitgestaltet hat. „Wir sind zehn ultraspannende Handwerker und Künstler aus Augsburg , jeder mit eigener Geschichte und der Motivation, die Augsburger Kulturszene noch schöner zu machen.“ Ebenfalls Colligatio-Mitglied ist Julien Kneuse Le Ray, für seine Kunst bereits für den Augsburger POP-Preis „Roy“ nominiert. Alle Mitglieder schaffen einzeln, aber auch gemeinsam Kunstwerke, von Fotokunst bis zu dem Ausbau von Küchen und Wohnungen.

„Lebens(t)raumgestaltung“ nennt sich Benedikts Haupttätigkeitsfeld. Als Künstler schafft er Skulpturen aus naturveränderten Materialien, einzigartige Leuchten und Upcycling-Patchwork-Küchen, die sich aus allen möglichen Materialien zu einem großen Neuen zusammenfinden. Hauptberuflich ist er mit der Pflanzung, Pflege und Fällung von Bäumen, speziell Obstbäumen, beschäftigt: „Bäume sind für mich Lebewesen, wir müssen auf sie aufpassen, damit unsere Welt uns wie wir sie kennen noch möglichst lange erhalten bleibt.“

Sein letztes Kunstprojekt der „etwas anderen Art“ war die FlicFlac Freakshow Berlin. Neben Messerschluckerinnen, Penis-Artisten und Schwergewicht-Akrobaten war der Wahl-Augsburger Teil einer Show, die absolut nichts für schwache Nerven ist: In dem Anfangsakt der Flic Flac Freakshow wird Benni ein „gefälschter“ Arm abgesägt, während das Publikum ihn nichts ahnend für einen ganz normalen Zuschauer hält. „Es hat so unfassbar viel Spaß gemacht, das Schauspielern und auf Tour zu sein mit den Leuten und wer weiß, vielleicht bin ich nächstes Jahr auch wieder dabei.“

Bis dahin kümmert sich Benni weiter um kulturelle und soziale Projekte mit Menschen und für Menschen, mit der Natur und für die Natur, von ihm für Augsburg.

Sider benni 2

 Benedikt Gleissel und seine "Die Kuhtränkenleuchte" und als "Freak" bei der Flic Flac Freakshow in Berlin.
Foto: Eda Calisti, Flic Flac Freaks