Liebe, Kunst und Schnapsideen

Bernhard McQueen geriet durch seine zwar sehr sympathische, dem Rechtsstaat allerdings missfallende, „Augsburgblume“ in die Schlagzeilen. Über viele Jahre säte er die fünfblättrige Blume mit seiner Spraydose überall in Augsburg, bis ihm die Stadt irgendwann auf die Schliche kam. Lisa McQueen ist Besitzerin des Vintage-Cafés „Kätchens“, einer Schatzkiste, in der man bei jedem Besuch etwas Neues entdecken kann. A-YOU! hat die beiden Künstler getroffen und mit ihnen über Kunst, Liebe und Schnapsideen gesprochen.

Der gute Kaffee im „Kätchens“, gemeinsame Kunstinteressen und ein klassisches „Burger und Bier“-Date brachten Lisa und Bernhard zusammen. Inzwischen sind die beiden verheiratet, haben zusammen ein eigenes Atelier in der Innenstadt und stellen gemeinsam Kunstprojekte auf die Beine, wie momentan zum Beispiel die „Artsy-Fartsy-Gallery“. Groß in die Zukunft geplant wird meistens nicht, die Einfälle kommen ganz spontan. „Die meisten Ideen, die ich habe, sind Schnapsideen“, lacht Bernhard. Doch für seine Schnapsideen ist ihm die Augsburger Kunstszene sehr dankbar. Die „Artsy-Fartsy-Gallery“ hat sich Bernhard mit Christoph Steinle (August Gin) ausgedacht, Lisa kümmert sich um die Rundumversorgung und gestaltet Flyer, Booklets und was sonst noch designtechnisch anfällt. Die Pop-Up Galerie in der Annastraße bietet fünf Wochen lang lokalen Künstlern eine Bühne, das Kunstprogramm erstreckt sich dabei von Urban bis Pop mit Musik und Drinks.


Bernhard arbeitet als Wallstreet-Künstler unter dem Pseudonym „BRNZN“. Sein Hauptmedium ist dabei immer noch die Arbeit mit der Spraydose. Er bezeichnet seine Kunst als „Erwachsenengraffiti“, obwohl er natürlich nur noch legal als Auftragssprayer arbeitet (schmunzelt). Nebenbei gibt er Workshops für Kinder: „Das ist eine gute Möglichkeit, den Kids und vor allem ihren Eltern zu zeigen, dass Graffiti nicht nur diese verrufene Peter was here- Schmiererei an Hauswänden ist“.


Lisa zog nach ihrem Modedesign-Studium nach Berlin, um als Designerin zu arbeiten. Nachdem sie dort allerdings mit 20 weiteren Designern um ein Bügeleisen kämpfen musste, entschied sie sich spontan für einen Job in einem veganen Restaurant. Davon inspiriert, eröffnete sie im Februar 2016 das „Kätchens“ in Augsburg. Sie designt und schneidert dort und im gemeinsamen Atelier eigene Modestücke, verkauft diese im Café und arbeitet manchmal auch mit Partnern an Modelinien. Auch wenn sie sich momentan nicht vorstellen kann, das „Kätchens“ jemals aufzugeben, würde sie nicht ausschließen, sich irgendwann vielleicht wieder nur dem Modedesign zu widmen. Neben Stoffen liegen ihr allerdings noch andere Materialien am Herzen: „Es fallen im Café immer genau meine Lieblingsporzellantassen runter und da ich es nicht übers Herz bringe, die Scherben wegzuwerfen, mach‘ ich eigene Kunstwerke daraus“.


Wenn die beiden mal abschalten wollen, machen sie ihre Handys aus und fahren entweder in die Berge zum Wandern oder unternehmen einen Kurztrip nach Italien. Vielleicht zieht es sie irgendwann aus der Innenstadt weiter aufs Land, aber momentan darf sich Augsburg noch länger an der Kreativität der beiden erfreuen. Und wer weiß, vielleicht vergrößert sich die Familie sogar schon bald.  

Bernhard  "BRNZN" vor "Vier dicke Frauen" und Lisa's Porzellankunst Bernhard "BRNZN" vor "Vier dicke Frauen" und Lisa's Porzellankunst