Ikarus-Festival 2018: 30.000 Techno-Liebhaber, Polizisten in Neon-Tanktops und ein Baggerfahrer am Durchdrehen

Was am Wochenende auf dem Elektro-Festival geboten war, welche lässigen Outfits im Festival-Kleiderschrank der Zivilpolizei hängen und wozu (vermutlich) Drogen einen Baggerfahrer animierten. 

Am Wochenende fand zum vierten Mal das Ikarus-Festival für Freunde elektronischer Tanzmusik auf dem ehemaligen Militärflugplatz am Memmingerberg statt. Über 80 Künstler ließen die 30.000 Festivalbesucher drei Tage lang bis in die frühen Morgenstunden tanzen. Es waren sechs individuelle Bühnen geboten, darunter drei in ehemaligen Flugzeug-Hallen, sogenannten "Sheltern". Mitten im Wald tanzten die Festival-Besucher zwischen Bäumen und Wurzeln auf der "Forest-Stage", zusätzlich gab es noch das mit riesigen Bildschirmen ausgestattete "Minos-Tent" und eine aufwendig ausgeschmückte Mainstage. Die Feierwütigen campten auf drei verschiedenen Campingplätzen und eine große Streetfood-Meile war mit Essenständen von Kässpatzen bis zur Schokobanane vielfältig aufgestellt. Wenn auch zu recht ordentlichen Preisen. Hippes Streetfood-Essen halt. Neben Essen und Raven waren ebenfalls Workshops, genug Plätze zum Ausruhen und Unterhaltung durch ein Riesenrad (4 Runden-5 Euro) und Kettenkarussel geboten. Für schlappe 121 Euro ein ziemlich aufregendes Spektakel, dass jedes Elektro-Herz höher schlagen lässt.

Doch nicht jeder wild stampfende Bühnengast war wirklich Festivalgast. Auf jeder Stage mischten sich, neben den zahlreichen offiziell positionierten Polizeibeamten, mehrere Zivilpolizisten unter das Elektro-Volk und führten gezielt und stichprobenartig Personenkontrollen auf Drogenmissbrauch und illegal mitgeführte Gegenstände durch. Dabei war die Polizei sehr kreativ. Die Beamten verkleideten sich als Barpersonal, sparten nicht an neonfarbenen Tanktops und auch die ein oder andere Pippi Langstrumpf-Puppe wurde im lässigen Jutebeutel mit der Aufschrift "RAVE HART!" mitgeführt. Sobald allerdings "hart geraved" wurde, wurde auch recht schnell hart kontrolliert. Welch Ironie des Schicksals. 

Ingesamt hatte die Polizei auf den drei Festivaltagen allerhand zu tun. Die Polizeiinspektion Memmingen veröffentlichte eine Zusammenfassung aller Delikte und neben mehrfachen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und der ein oder anderen Körperverletzung, fiel vor allem ein früh-aktiver Baggerfahrer schwer ins Gewicht. 75.000 Euro Sachschaden verursachte die "erheblich verwirrte Person" um 7:01 Uhr am Samstagmorgen. Der Festivalbesucher, der unter der Woche praktischerweise den Beruf "Baggerfahrer" ausübte, stahl sich bei Firma Max Wild einen Bagger und gab vor Elektromagnetfelder an einer der Bühnen installieren zu wollen. Dieses Vorhaben war allerdings nur ein -für eine "erheblich verwirrte Person" anscheinend sehr professionell rübergebrachter- Vowand für den Versuch den Shelter 23 gänzlich abzureißen. Gründe für die wutenbrannte Nacht- und Nebel-Aktion sind soweit nicht bekannt, man munkelt allerdings, dass der Berufs-Baggerfahrer unter erheblichem Drogeneinfluss stand. Letztendlich wurde er, nach größerem Widerstand, in Gewahrsam genommen und ins Klinikum eingewiesen. Ansonsten gab es noch Probleme mit illegalen Flaschensammlern, die am Sonntagmorgen die Festivalbesucher mit ihrer Pfandsammelei belästigten, fälschliche Mordmitteilungen und weitere kleinere Delikte. Ingesamt spricht die Polizei Memmingen allerdings von einer "sehr friedlichen Veranstaltung". 

Für ein Festival, dass nur eine Stunde von Augsburg entfernt ist, bietet das Ikarus trotz "erheblich verwirrten" Personen, teurem Streetfood und oberlässig gekleideten Zivilpolizisten jede Menge und es lassen sich dort unterhaltsame drei Tage verbringen, wenn ihr Joint und Bagger zuhause lasst.