Bild von Dieter Mittring

Sechs Bands und trotzdem noch Zeit für soziale Arbeit

Lisa Mittring lebt für die Musik. Sie spielt in sechs verschiedenen Bands und beherrscht neun verschiedene Instrumente, wovon sie sich die meisten selbst beigebracht hat. Dass bei so viel Leidenschaft zur Musik noch Zeit für Arbeit bleibt ist kaum zu glauben - doch für ihre Tätigkeit in der Mädchen-WG bei der stationären Jugendnothilfe nimmt die 24-Jährige den Stress in Kauf. Jetzt startet sie eine Crowdfunding-Aktion um sich ihren großen Traum erfüllen zu können: Ein Musik-Wohnmobil.

 Welche Musikrichtungen machst du mit deinen vielen Bands?

Die Bandbreite geht hier von Rock über Blues aus den 70ern, unplugged bis hin zu Mittelalter-Musik. Ich habe inzwischen auch in meiner Arbeit eine Band (Lctrya) gegründet, weil es dort so viele musikalische Mädels gibt. Deshalb musste das einfach sein!

Wie hat das mit der Musik und dir eigentlich angefangen?

Also Musik mache ich schon immer. Als Kind stand ich immer auf unserem Sankasten und habe "Sängerin" gespielt. Mit 6 habe ich Flöte gelernt, die ich sehr geliebt habe. Im Musikverein habe ich dann mit 9 Jahren Flügelhorn gespielt.  Und so ging das weiter. In der 9. Klasse habe ich mich für die Schulband gemeldet, obwohl ich noch gar kein Schlagzeug konnte und auch noch nie Unterricht hatte. Aber irgendwie wusste ich, dass ich es spielen kann. Und zum 15. Geburtstag habe ich dann auch eins bekommen! Kurz darauf habe ich mir die erste Gitarre gekauft und dann die nächste usw. Ich spiele also Schlagzeug, E- und A-Gitarre, ein bisschen Bass, Flügelhorn, Trompete, Tenorhorn, ein bisschen Posaune, ein bisschen Keyboard und Flöte. Außer der Flöte und dem Flügelhorn habe ich mir übrigens alles selbst beigebracht.

Wie schaffst du es, so viel Musik mit deinem Job als Erzieherin zu vereinbaren?

Ich konnte in der Arbeit meine Stunden runterschrauben und arbeite nicht mehr Vollzeit. Außerdem arbeiten wir ja im Schichtdienst, d.h. ich habe hauptsächlich Nachtdienste. So habe ich in der Früh oder am Mittag Feierabend und quasi einen ganzen Tag für die Musik. Dass ich am Wochenende zu meinen ganzen Gigs immer frei habe, habe ich wirklich meinen Kollegen zu verdanken. Die springen öfters für mich ein, damit ich dann abends zum Gig fahren kann. Also das Geheimrezept lautet: Super Kollegen!

Wie kamst du auf die Idee mit dem Crowdfunding für das Wohnmobil, das man übrigens unter www.startnext.com/musik-wohnmobil findet?

Mein Bandkollege hat ein Wohnmobil und fährt damit immer die Anlage zu den Auftritten. Ich hab das gesehen und dachte mir nur, wow, da wäre genügend Platz für mein ganzes Equipment und ich könnte wirklich immer und überall schlafen. Ich hab das so oft, dass ich nach den Gigs echt nicht mehr so weit heimfahren möchte, aber mir keine andere Möglichkeit auf die Schnelle bleibt. Und dann kam mir ziemlich schnell der Gedanke, dass da wohl ein Musik-Wohnmobil perfekt wäre. Außerdem möchte ich so gern spontan losfahren und Straßenmusik an Orten, wo es mich spontan hinverschlägt, machen. Auch da war mir klar: ein Wohnmobil muss her.

Auf die Crowdfunding-Idee kam ich dann, weil ich mal wieder Lust auf eine Aktion hatte. Ich habe da auch schon einmal selbst jemanden unterstützt. Da ich jetzt Urlaub habe, hatte ich auch genug Zeit, das etwas aufwendigere Video für das Projekt zu drehen. Wohnmobile sind natürlich nicht gerade billig, deshalb versuche ich, meinen Traum auf diese Art verwirklichen zu können. Außerdem hatte ich Lust, mal etwas neues auszuprobieren - in diesem Fall eben das Crowdfunding.

Gab es schon lustige Erlebnisse auf der Bühne?

Wir haben mit  meiner Band Select gespielt und mein Mikro ging irgendwie nicht mehr, ich wollte aber den Leuten etwas sagen. Steffi, die Sängerin, will mir ihr Mikro hinhalten und war etwas zu schwungvoll, sodass ich eine blutige Lippe davon trug. War dann etwas blöd, weil wir schon den nächsten Song gespielt haben, als ich das gemerkt habe...

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Eigentlich gefällt es mir im Moment sehr gut, dass ich zur Hälfte in der Mädchen-WG arbeite und zur anderen Hälfte Musik mache. Wenn ich allerdings irgendwann ganz von der Musik leben könnte, wäre das natürlich unglaublich.