Kunst im Supermarkt

Äpfel, Birnen, Nudeln, Kornflakes - und dazwischen Kunst. Eine junge Augsburger Zeichnerin hängt Bilder im Supermarkt aus - eine ungewöhnliche Idee. Worum es in der Ausstellung "Glamourage" geht und wie die Bilder ihren Weg zu den Lebensmittel fanden, erzählte Verena Kandler dem A-YOU!.

Nach Feierabend noch schnell die letzten Einkäufe für das Abendessen sichern und dann ab nach Hause, wer kennt das nicht. Doch wer in den nächsten Wochen seinen Einkauf beim Rewe Reincke im Textilviertel erledigt, wird auf eine Überraschung stoßen. Hier gibt es nämlich nicht nur Bananen, Konserven und Milch zu kaufen, sondern auch Kunst zu bewundern: Zwischen den Regalen stößt der Kunde immer wieder auf farbenfroh gestaltete Zeitschriftencover, die unbemerkt an den Säulen im Gebäude trapiert wurden. Der Lebensmitteleinkäufer wird gleichzeitig zum Ausstellungsbesucher, etwas, das die junge Künstlerin und Schöpferin der „Glamourage“- Ausstellung Verena Kandler, auch so beabsichtigt hat: „ Ich stelle gerne an ungewöhnlichen Orten aus und möchte damit Menschen erreichen, die nicht unbedingt oder absichtlich ein Museum oder eine Galerie besuchen.“ Die 22-Jährige Kunstpädagogikstudentin aus Augsburg wohnte einige Zeit nahe des Supermarktes in der Prinzstraße und spielte schon länger mit dem Gedanken dort eine Ausstellung zu organisieren, da die schönen und bemerkenswerten Säulen einen nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterlassen hatten. Just in diesem Moment kommt ein älterer Herr mit vollem Einkaufswagen des Weges und unterhält sich, neugierig geworden auf die knalligen Bilder, angeregt mit der jungen Frau und geht dann weiter Richtung Kasse mit Einkäufen und Infomaterial zur Ausstellung. „Genau so etwas wünsche ich mir. Dass die Bilder öffentlich zugänglich sind und Leute durch Zufall darauf aufmerksam werden.“

Glamour und Alter passen gut zusammen

Verena Kandler verarbeitet in ihrer Kunst schlichtweg Dinge oder Sachverhalte, die ihr auffallen oder die sie kritisch betrachtet. So kam es dann auch nach und nach zu ihrer Idee hinter „Glamourage“. Abgebildet sind auf den wie Zeitschriftencover gestalteten und gezeichneten Bildern, ältere Frauen mit Falten und Lebenserfahrung – so wie es eben die menschliche Natur ist. „Dass in Zeitschriften immer nur junge, makellose Menschen abgebildet sind, hat mich schon lange gestört“ erzählt die junge Künstlerin. Mit ihrer Ausstellung möchte sie gerne ein Zeichen setzen, für mehr Offenheit und Toleranz dem Alter und der Realität gegenüber, der sich im Namen widerspiegelt: Glamour und Age, also Glanz und Alter, gehören für Verena zusammen. Die in Bobingen geborene Studentin kehrte nach einem Zwischenstopp in Stuttgart wieder in die Fuggerstadt zurück, um hier Kunst zu studieren. Belohnt wurde sie dafür auch, mit dem Meisterschulstipendium des Kunstförderpreises des Stadt Augsburg. Nach dem Abschluss ihres Studiums möchte sie gerne als freischaffende Künstlerin weiter arbeiten. „Dass ich Kunst studieren möchte, wusste ich eigentlich schon immer, auch meine Oma ist Malerin, die Idee zu den Ausstellungen aber kam mir während des Studiums.“ Andere Werke von Verena Kandler werden noch im Café Zum Weißen Lamm und in der Ballonfabrik ausgestellt. Ungewöhnliche und öffentliche Orte, eben wie ein Supermarkt, reizen die junge Zeichnerin und sie hat bereits einige Ideen für zukünftige Arbeiten: „Ich fände es total spannend, Werke von mir in der Tram oder in einem leerstehenden Haus auszustellen.“ Wer sich für die farbenfrohen Bilder der Kunststudentin interessiert, hat noch die Möglichkeit bis circa Mitte März im Rewe Reincke, in der Nähe des Textilmuseums einkaufen zu gehen, oder kann sich auf ihrer Homepage https://verenakandler.com/ in aller Ruhe umschauen.