Streamen: Warum bekommt Edith Geld für's zocken?

Edith aus Augsburg verbringt einige Zeit in der Woche vor ihrem PC und streamt. Was das überhaupt bedeutet, wie es neben einem Vollzeitjob funktioniert und warum sie ein großes lilanes Herz an ihre weiße Zimmerwand gemalt hat, obwohl sie die Farbe hasst, hat sie der A-YOU! Im Interview verraten.

Edith ist 24 Jahre alt und hauptberuflich Teamassistentin bei einer großen Forschungs- und Entwicklungsfirma. Sie trifft sich mit Freunden in der Stadt, macht Sport oder unternimmt etwas mit ihrer Familie – soweit alles normal. Doch Edith spricht auch gerne live vor der Kamera im Stream mit ihren Zuschauern oder spielt Computerspiele, um sie zu unterhalten.

Wie es dazu kam? „Durch meine Schwester. Die hat damit angefangen und mich so ein bisschen angesteckt.“ Begonnen hat Edith mit dem Streamen vor etwa zwei Jahren auf der Plattform younow. Dort geht es eher um Kreatives, man redet mit oder singt für seine Zuschauer. Dann, ein Jahr später, machte die 24-Jährige auf der Plattform twitch weiter. Hier geht es vor allem darum, Computerspiele zu spielen und das über den Stream live mit den Zuschauern zu teilen. „Ich habe mit younow angefangen, nur kreativ zu sein und den Menschen so ein bisschen Liebe zu schenken und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Und das hat ganz gut geklappt und dann hab ich mir gedacht: Okay, probieren wir vielleicht mal ein bisschen das Gaming.“

Auf das Gaming kam Edith, indem sie andere Streamer kennen lernte, die regelmäßig im Stream Computerspiele spielen. Die haben sie eingeladen, doch mal mitzuspielen. Da merkte sie, dass das Spielen ja doch Spaß macht und machte deshalb weiter. „Dann haben wir zum Streamen auch die ganzen Banner und so weiter erstellt und dann habe ich halt auch mitgemacht.“

Zeitweise streamte Edith fünf Abende in der Woche, doch das wurde bald zu stressig. „Dann hatte ich echt gar kein Leben mehr so. Weil wenn man Vollzeit arbeitet und dann noch jeden Tag eine Stunde oder länger streamt, das ist wirklich viel. Außerdem wohne ich alleine. Das ist schon schwer, weil ich muss halt auch noch Haushalt machen und natürlich auch mal einkaufen. Dann kommt noch meine Katze dazu, die Conny.“ Conny ist auch in Form einer virtuellen kleinen Katze im Stream mit eingebunden. Sie bringt den Zuschauern, wenn sie länger zuschauen, lila Luftballons. Die Luftballons sind lila, weil Edith diese Farbe absolut nicht ausstehen kann und damit von ihren Zuschauern immer aufgezogen wird. Damit können die Zuschauer Edith ein bisschen ärgern, indem sie die Luftballons für verschiedene Kommandos eintauschen, beispielsweise einen Applaus oder das Vorlesen des Chats.

Außerdem können die Zuschauer ihr mit einem Button 'donaten', also Geld spenden. Die meisten Streamer hinterlegen beispielsweise für fünf Euro einen Schocksound, so dass sie sich dann im Stream erschrecken. Edith hat für drei Euro einen Heiratsantrag hinterlegt. Dann kommen ein Herz und ein Ring. Auch für 33 und 333 Euro hat sie ein bestimmtes Special hinterlegt, denn drei ist ihre Zahl. Die Zuschauer sind begeistert von ihrem Augsburger gerollten R und da kommen alle Zahlen mit einer drei natürlich besonders positiv an. Doch warum bezahlen Menschen freiwillig für den Stream? „Also das ist eine sehr schwere Frage, wieso die Leute für mich Geld ausgeben. Ich würde in erster Linie sagen, die Leute möchten mir etwas zurückgeben. Weil ich setze mich hin, ich streame für die, egal, ob es auf twitch oder auf younow ist. Die lachen mit mir und man hat im Stream gemeinsame Erlebnisse. Man kennt sich dann auch über das Streamen. Klar, nicht privat, aber halt, wie ich im Stream bin. Und je länger man jemandem zuschaut, desto mehr möchte man ihm halt irgendwann etwas zurückgeben.“ Doch Edith weist immer darauf hin, nicht mehr zu donaten, als man am Ende des Monats übrig hat. Denn es kann zu einer Sucht werden. Gerade Frauen und Mädels schicken dagegen viel lieber Pakete mit allem möglichem, auch selbst gebastelten Sachen und Briefen. Darüber freut dich die Streamerin natürlich ganz besonders.

Es gab auch schon verschiedene Treffen zwischen Edith, oder Edith_Blondi, wie sie im Stream heißt, und ihren Zuschauern. „Da sind Leute, die mich mit Namen kennen, aber ich weiß manchmal gar nicht, wer das ist. Dann begrüßt man sich und macht Bilder und dann sind sie auch schon wieder weg. Anders sind da die, die wirklich immer im Stream dabei sind und die man auch schon kennt. Meistens sind sie total schüchtern und aufgeregt und ich dann dadurch natürlich auch.“

Im Stream gab es schon viele witzige Erlebnisse, da Edith ein ziemlicher Tollpatsch ist. Das zeigt sich besonders beim Spielen und manchmal auch bei lustigen Versprechern und Verlesern. Besonders viel Spaß hatte Edith bei einem Spendenstream. Sie setzte sich mit 16 anderen Streamern zusammen und es wurde ein Plan erstellt, so dass jeder zwei Abende in einem Monat streamen musste und dabei Geld für wohltätige Zwecke sammelte. Edith überlegte sich eine kreative Aktion: Sie malte ein Herz an ihre weiße Wand und unterteilte es in 33 Stücke. Jedes mal, wenn jemand fünf Euro spendete, wollte sie eines der Stücke in lila ausmalen. „Die Spenden kamen dann aber so schnell, dass ich einfach nur noch ausmalte und gar nicht mehr zum zählen kam. Die Einnahmen waren auf jeden Fall riesig. Da war ich echt baff!“

Zukünftig möchte Edith gerne noch mehr reisen und mehr von der Welt sehen, da sie im Moment vor allem auf Events in Deutschland unterwegs ist. „Ich bin bisher nur einmal über das Meer geflogen. Deshalb habe ich mir dort auch einen Papierflieger als Tattoo stechen lassen, denn der hat mich sozusagen über das Meer getragen.“ Dann müsste Edith aber vielleicht ein bisschen weniger streamen und da ist sie sich noch nicht sicher.