Foto: Karoline Herr

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Karoline Herr - Münchnerin mit eigenem Modeblog

Als Redakteurin bei der deutschen ELLE oder Harper`s Bazaar zu arbeiten, das wünschen sich sicherlich viele Modejournalisten aus ganz Deutschland. Doch Karoline Herr kündigte ihre Festanstellung und macht sich nun mit ihrem eigenem Modeblog selbstständig. Was sie zu diesem einschneidenden Schritt bewegte und was die Modewelt für sie bedeutet, erzählt die 29-Jährige dem A-YOU! in einem persönlichen Gespräch.

A-YOU: Hattest du einen Punkt im Leben, an dem du wusstest, dass du unbedingt mal etwas im Bereich Mode machen möchtest?

Karo: So kitschig das auch klingt, aber ich wusste schon als kleines Mädchen, das ich mal eine kreativen Beruf ausüben würde. Natürlich wusste ich damals nicht, dass es so einen Beruf wie Modejournalistin oder Modebloggerin gibt, aber ich habe mir schon mit 4 meine Kleidung selbst rausgesucht und eine große Vorliebe fürs Verkleiden und Schminken gehabt. Mode bedeutet für mich Freiheit, eine Art Ventil für Gefühle und Stimmungen, alles was mich inspiriert. Oberflächlich sind es nur Kleider und für manche sind es das ganz sicher auch, aber wenn man sich näher mit Mode, Design und der Kunst und Fertigkeit beschäftigt, die hinter dieser Branche stecken, ist die Modewelt ein ganz faszinierender Ort, der sowohl praktisch, als auch abstrakt sein kann.

A-YOU: Was hat dich dazu bewegt, dich in die Selbstständigkeit zu wagen?

Karo: Mit dem Gedanken mich als freie Autorin selbstständig zu machen, habe ich bereits zwei Jahre gespielt. Der Schritt ist allerdings sehr groß und zieht einen Rattenschwanz nach sich, weshalb ich lange gezögert habe. Im Juli 2017 aber habe ich dann meinen festen Job als Redakteurin bei ELLE und Harper’s Bazaar gekündigt und den großen Schritt gewagt.

A-YOU: Gibt es auch Vor- oder Nachteile gegenüber deiner vorherigen Festanstellung?

Karo: Die derzeitige Situation für eine junge Redakteurin im Printjournalismus ist icht gerade rosig. Die Verlage strukturieren viel um, Stellen werden gekürzt und so bleibt einem nicht mehr viel Zeit und Raum für kreative Arbeit und man wird sehr sschlecht bezahlt. Das hat mich irgendwann sehr gestört. In meinen fünf Jahren bei Burda, vom Praktikum bis zur Redakteursposition habe ich sehr viel lernen dürfen und das redaktionelle Arbeiten von Grund auf gelernt. Dass ich diese Skills jetzt nutzen kann und für mein eigenes Business einsetze, ist großartig. Ich bin nicht nur zeitlich freier, sondern auch was die Themen, Markenauswahl und Umsetzung angeht. Ich bin jetzt Fotografin, Texterin, Grafikerin und Chefredakteurin in einem und kann so ganz genau MEINE Version und MEINE Sicht der Dinge veröffentlichen, ohne mich an viele Vorgaben halten zu müssen. Dadurch bin ich wahnsinnig flexibel und schnell.

A-YOU: Wie genau sieht deine Arbeit am Blog aus?

Karo: Im Grunde unterscheidet sich meine Arbeit jetzt gar nicht so sehr von der in einer Redaktion. Ich recherchier, suche und plane Themen, stehe in engem Kontakt zu PR-Agenturen und texte. Die meiste Zeit sitze ich in meinem Wohnzimmer am Schreibtisch und arbeite am Computer. Aber natürlich gehören zum Job auch viele Pressetermine, bei denen mir von den Beauty- und Modemarken neue Produkte, Kollektionen oder Designs vorgestellt werden.

A-YOU: Hast du Lieblingsdesigner?

Karo: Uh, diese Frage finde ich immer sehr sehr schwierig. Karl Lagerfeld ist eine beeindruckende Persönlichkeit in allen Belangen, vor der ich sehr viel Respekt habe und die die Modewelt maßgeblich geprägt hat. Aber auch Phoebe Philo, ehemalige Designerin für Céline hat einige meiner Lieblingsstücke kreiert, die ich lange in Ehren halten werde. Ansonsten versuche ich mich nicht zu sehr an den Labels aufzuhängen, sondern mich eher nach Kollektionen und Designs zu richten. Dieses Jahr gefällt mir jenes, nächstes Jahr vielleicht etwas anderes. Aber auch für mittelpreisige Labels, besonders die aus Skandinavien wie Ganni, habe ich eine große Schwäche.

A-YOU: Deine Trendvoraussagen für den Sommer 2018?

Karo: Sommer wie Winter gibt es ja Klassiker, die einfach nicht totzukriegen sind, und die einfach zur jeweiligen Jahreszeit dazugehören. Wie Blumenmuster, laute Farben oder Sommerkleider. Ich setze diesen Sommer aber definitiv auf die Farbe Gelb, Basttaschen und das Material Plexi.

A-YOU: Bleibt da überhaupt noch Freizeit?Karo 3 neu

Karo: In der Selbstständigkeit, besonders beim Bloggen, verschwimmen Arbeit und Privatleben sehr. Ich schreibe ja über vieles, was ich auchprivat liebe, gebe durch Social Media viel von mir preis und muss eigentlich immer online sein. Es vergeht kein Tag, sicher nicht mal eine Stunde, in der ich nicht irgendwo eine Nachricht beantworte, ein Bild poste oder eine INstastory drehe. Für viele mag das wahnsinnig anstrengend klingen, aber mir macht es wahnsinnig Spaß. Ich kann das machen, was ich liebe und davon leben. Etwas Schöneres gibt es in meinen Augen nicht. Natürlcih muss man auch Grenzen für sich ziehen und entscheiden wo es zu privat wird und was man eben nicht teilen möchte. Aber ich glaube darin bin ich bisher ganz gut.

A-YOU: Was gibt es zum Modeblog noch zu sagen?

Karo: Der Modejournalismus hat sich in den letzten Jahren wahnsinnig verändert und ich mich mit ihm. Ich wollte immer schon Modejournalistin werden, habe dafür Literatur studiert und mich mit Praktika in Modeateliers und Redaktionen spezialisiert. Dabei habe ich niemals gedacht, dass ich irgendwann meinen eigenen Blog haben würde. Ich wollte einfach immer schreiben – und zwar über das, was mich und so viele andere Menschen bewegt: Mode. Aber das Leben verläuft ja nie ganz nach Plan und kurz nachdem ich in der Printredaktion anfing, startete die Journalismuswende. Wir schrieben auch Texte für Online, lernten Social Media kennen und plötzlich eröffnete sich da ein komplett neues Berufsfeld, das sicher vielen immer noch suspekt ist. Weil es neu und fremd ist und ein wenig undurchsichtig. Dabei ist ein Blog nicht viel anders als ein Magazin. Man hat ebenfalls eine Leserschaft, ein Team (oder ist alleine wie ich) und arbeitet mit Anzeigenkunden zusammen, die fürs Finanzielle unerlässlich sind. Der Unterscheid zu einem Magazin ist nämlich, dass man unsere Inhalte umsonst konsumieren kann und um hauptberuflich zu Bloggen, muss man deshalb ebenfalls Werbung machen. Allerding kann man diese sehr gut steuern und kreativ umsetzen, sodass sie den Lesern einen Mehrwert bietet. Die deutsche Blogsphäre ist inzwischen wahnsinnig groß und hart umkämpft. Man muss jeden Tag aufs Neue relevant bleiben und kann sich nicht einfach mal eine Auszeit gönnen. Das ist sicher nicht immer leicht, aber die Freiheit, die ich durch das selbstständige Bloggen habe, ist es mir definitiv wert.

Karoline Herr ist eine waschechte Berlinerin, die nun seit bereits fünf Jahren in München lebt. Bevor sie aber für ihre journalistischen Tätigkeiten in die Bayernmetropole zog, absolvierte sie das Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaften an der Universität Augsburg und verbrachte ihre erfolgreiche Studienzeit in der Fuggerstadt. Wer ihr gerne auf instgram folgen möchte, findet sie dort unter frollein_herr, und ihr Modeblog, der seit einigen Wochen online ist, ist unter www.frolleinherr.com zu finden.